Magnus Zanon berichtet über seine Teilnahme

Dieses Jahr nahm ich zum ersten Mal beim Austria Open, dem traditionellen Turnier des Schachklubs Austria Wien, nicht zu verwechseln mit der österreichischen Meisterschaft, teil. Das Turnier war heuer nicht allzu gut besetzt, so war ich sogar als Nummer 9 gesetzt. Angeführt wurde die Setzliste von IM Schwabeneder Florian, gefolgt von GM Stanec Nikolaus, der bei jedem Wiener Turnier mit dabei ist, und GM Balinov Ilia.

In der ersten Runde wurde ich somit nach unten gelost und ein Sieg gegen einen schwächeren Spieler schien Pflicht zu sein. Doch die fehlende Turnierpraxis der letzten Wochen, ich spielte ja 2026 nur eine Partie für unseren Verein gegen Völkermarkt und sonst gar nichts, machte sich etwas bemerkbar und trotz Stellungsvorteiles ermöglichte ich meinem Gegenüber eine nette Taktik, die dieser zum Glück nicht sah.

Hier könnte Schwarz Lc5 ziehen und ich hätte ordentliche „Fetten“ gehabt, weil Da4 Tc8 dxc5 Txc7 und Sd4 gerade so nicht sofort die Partie verliert. Aber mein Gegner blitzte Tc8 heraus und lächelte, fühlte sich siegessicher, und nachdem Sxd5 folgte, verzog sich seine Miene, und ich konnte die Partie heimbringen.

Am darauffolgenden Tag bekam ich es mit einem jungen Austrogriechen zu tun, und schon vorab war ich nicht ganz guter Dinge. Gegen die Hellenen tu ich mir aus irgendeinem Grund recht schwer. Die Eröffnung verlief eigentlich recht gut, doch dann stellte ich denkbar ungünstig einen Bauern ein. Ld6 wäre angebracht gewesen, doch ich zog den andersfarbigen geistlichen Würdenträger nach e6 und musste selbst nach dem simplen cxb4 den Kopf schütteln.

Danach folgte ein zähes Ringen um Gegenspiel. Weiß hatte bis zur Zeitnotphase klaren Vorteil, doch schließlich ermöglichte ein unachtsames Kh2 

eben jenes Gegenspiel. Es folgten h5 und h4 von Schwarz, und plötzlich werden die schwarzen Felder schwach. So konnte ich in der kritischen Phase das Spiel verkomplizieren und am Ende gar noch den vollen Punkt erringen.

Das bescherte mir GM Stanec als Gegenüber für die nächste Runde. Hier nutzte ich den passiven Aufbau des schwarzen Spielers nicht aus, spielte selbst einigermaßen vorsichtig, sodass ich bald mit Weiß schlechter stand. Meine Wiener Schachfreunde glaubten schon an eine schnelle, klanglose Niederlage meinerseits, und auch ich war mir nicht mehr sicher, wie ich die Stellung zusammenhalten sollte.

Doch ich raffte mich auf, verbrauchte viel Zeit für Variantenberechnung, wurde zäher, und in einem komplizierten Spiel fand auch der Großmeister nicht die beste Lösung, sodass die Stellung irgendwann objektiv ausgeglichen war. Ein schönes Qualiopfer erschwerte es ihm, zu gewinnen.

Nach Sxd5 folgt Lc4 und Weiß wird aktiv. Das Material ist so reduziert, dass der Gewinn schwierig ist, allerdings auch das Verteidigen nicht allzu leicht, weil immer e3 in der Luft liegt. So folgte nach Lc4 Kh8 und Txd5 Lf4, nun müsste man sich trauen Dc5 zu spielen und Weiß überlebt das Abenteuer. Ich wählte TxT, LxD und Th5, doch dieses komplizierte Endspiel ist trotz der wenigen Figuren vermutlich verloren, oder zumindest sehr schwer zu halten, und der Titelträger bewies es mir mit genauem Spiel, sodass ich nach fast 5 Stunden die Hand zur Aufgabe reichen musste.

Die nächsten beiden Partien liefen erstaunlich glatt. Zunächst wartete mit Kern Julian ein junger Mann auf mich, der mich vor einem Jahr glatt überspielte, sodass ich ein bisschen skeptisch war, ob ich den Trend ändern könnte. Doch er zeigte sich von meiner scharfen Eröffnung beeindruckt und begann früh die Dame mit Weiß zu tauschen, geriet sofort in ein schlechteres Mittelspiel und verlor in wenigen Zügen. Ähnlich erging es  meinem Gegner in Runde 5. Er bot in fragwürdiger Stellung Remis,

was mir ein irritiertes Kopfschütteln und große Augen abluchste, und wenige Züge später blickte er auf seine Armbanduhr, sagte, er müsse zum Zug, und gab auf.

In der „penultimate round“ bekam ich es mit einem jungen, sehr nach Kärntner klingenden Wiener zu tun. Es kam ein Londoner System aufs Brett und ich überraschte ihn mit guter Vorbereitung. Die Partie wurde zunächst extrem scharf, doch traute ich der möglichen scharfen Stellung nicht ganz.

Es wäre b4 angebracht gewesen, doch sowohl c4 ist interessant, als auch h6, gxf und die Varianten nach bxc3 nebst Tb2+ und Kc1 sind alle recht kompliziert, wenn auch einige gewonnen sind. Ich wählte das „remissichernde f5“. Nun würde allerdings Lxb5 klaren Vorteil erspielen, das war uns beiden aber nicht klar, denn nach Ta5 würde z. B. h6 folgen, nebst Se5 und Schwarz muss alles tauschen und hat einen Minusbauern. Dies passierte nicht, die Stellung schloss sich, und bald folgte ein freundschaftliches Ende.

Somit war ich vor der letzten Runde mit guten 4,5 aus 6 auf Rang 6 gereiht. Ein X würde vermutlich die Position halten, aber um in die Preisgeldränge zu kommen, musste ein voller Erfolg her. Ich bereitete mich intensiv vor, mein Gegner ebenso, allerdings auf eine andere Art und Weise. Er kam 15 Minuten verspätet mit der Kleidung vom Vortag und ordentlichen Restpromille zum Brett. Eine Fahne sondersgleichen wehte mir entgegen und ich war sichtlich irritiert, spielte die Eröffnung schlecht, verbrauchte viel Zeit, sodass mein Gegner während meiner Bedenkzeit plötzlich sagte: „Willsch in dem Turnier überhaupt no irgendwos erreichen?“, was wohl als Remisangebot zu verstehen war. Ich spielte auf Sieg, jedoch qualitativ schlecht, was keine gute Kombination ist. Mein Kontrahent nüchterte im Partieverlauf aus und rechnete eine kritische Variante wohl genauer, oder stolperte in die bessere Stellung. Es entstand ein sehr schwieriges Endspiel, das zunächst noch relativ ausgeglichen war, aber schnell kippte, und mir die zweite Niederlage bescherte. Zumindest war es die längste Partie der Schlussrunde…

Am Ende bleibt ein kleines Eloplus, teils interessante Partien, die Erkenntnis, dass Schach ein schwieriges Spiel ist, und ein relativ undankbarer 14. Rang.

Das Turnier gewann Balinov Ilia vor Stanec Nikolaus, beide 6.5 Punkte, und überraschenderweise Daniel Wiedermann, der in der letzten Runde IM Schwabeneder bezwang, da jener sich laut eigenen Angaben nicht mehr dazu aufraffen konnte, in einer komplett gewonnenen Stellung eine Variante durchzurechnen, gezeichnet von anstrengenden letzten Runden, kombiniert mit jedem Tag Tennisspielen, und so leichtfertig 300€ verschenkte.

Alle Ergebnisse: https://s1.chess-results.com/tnr1349836.aspx?lan=0&SNode=S0

One response

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert