Vom 2. bis zum 5. Jänner fanden im Freizeitzentrum Feffernitz die Carinthian Winteropen statt. Insgesamt nahmen 52 SpielerInnen, in zwei Gruppen unterteilt, teil. Den Gesamtsieg holte sich FM Davide Olivetti aus Italien vor dem Nachwuchsspieler Andreas Hellerschmid und Gerald Leitner. Vierter wurde der starke Lienzer Nachwuchsspieler Sebastian Ortner.

Andi Amon, Teilnehmer in der A – Gruppe, berichtet aus seiner persönlichen Sicht über den Verlauf des für ihn sehr erfolgreichen verlaufenen Turnieres.

Unantastbar – eine Zusammenfassung meiner Leistungen beim Carinthian Winteropen 2026

Prolog
Seit 18 Monaten bin ich nun ebenso rauchfrei wie voll im Training und spüre endlich eine Verbesserung. 
Wie viele von euch wohl wissen, konzentriere ich mich seit nunmehr 18 Monaten beinahe ausschließlich auf Taktik – Training und habe erst vor wenigen Wochen damit begonnen, mir auch andere grundlegende Kenntnisse im Schach anzueignen. 
Zu wissen, dass Springer Vorposten lieben und zu verstehen, was diese Floskel bedeutet, sind zwei paar Schuhe, wie man so schön sagt. 
Und wie banal dies wohl für die meisten von euch auch klingen mag, für mich war diese Erkenntnis der Startschuss zu meinem Erfolg in diesem Turnier. Meine Partien wurden gern zurecht als „Harakiri“ bezeichnet, was wohl meinem mangelnden Stellungsverständnis zu schulden war. 
Nun endlich verstehe ich, dass es mehr Wege gibt, Schach zu spielen, als es auf die Rechenleistung der jeweiligen Kontrahenten zu reduzieren. 

Das Turnier
Als stolzes Mitglied unseres Vereins nahm ich nunmehr zum zweiten Mal am Winteropen, diesmal sogar im A-Turnier, teil, und über dieses möchte ich nun berichten.

Andi Amon – Robert Hafner, Stellung nach dem 20. Zug von Weiß

Die erste Partie gab ich in dieser ausgeglichenen Stellung remis, nachdem ich mit den weißen Steinen Dh4 gezogen hatte. Mit Tc1, gefolgt von Lb5 neue Schwächen zu schaffen, wäre der korrekte Plan gewesen. 
Nach Dh4 kann Schwarz jedoch mit Le7 allen Drohungen trotzen. Mein Gegenüber, Herr Robert Hafner (2038 Elo), willigte rasch ein, und so trennten sich unsere Wege friedlich. Vor der Partie hatte ich befürchtet, das Turnier ohne Punkte zu verlassen, nun aber wichen zum ersten Mal die Selbstzweifel einem anderen Gefühl. Ich hatte erfolgreich 20 Züge lang die Zügel gegen einen Spieler mit über 2000 Elo in der Hand gehalten und meine Stellung nicht kontinuierlich verschlechtert. Stolz.

Benjamin Eder – Andi Amon, Stellung nach dem 13. Zug

Gut vorbereitet und zuversichtlich, einen ganzen Punkt zu erzielen, startete ich in die zweite Runde gegen Benjamin Eder mit 2000 Elo. Ich wusste, dass er die Theorie der Drachenvariante nicht so gut kannte, wie man es vielleicht sollte, wenn man solch höchst taktische Eröffnungen spielt. So war es mir ein Leichtes, diese Stellung zuzulassen. Weiß muss nun fast groß rochieren, womit sämtliche Trümpfe in den Händen des nachziehenden Spielers verbleiben. Der Computer stuft diese Stellung auch nach der Rochade als ausgeglichen ein, jedoch spielen die beiden Läufer, sowie alle anderen schwarzen Figuren bereits eine Rolle beim Königsangriff gegen Weiß und dieser kann am gegnerischen Königsflügel nichts vorweisen. Ich habe jedoch in ähnlichen Situationen aus der stärkeren Position heraus bereits viele Male verloren, weil ich einfach nicht verstanden hatte, worum es überhaupt geht. Ich bot in dem Wissen Remis, dass ich am selben Tag noch eine Partie zu spielen hatte, und nahm mir vor, „taktisch“ zu agieren und die nächste Partie zu gewinnen. Im Nachhinein betrachtet war dies der falsche Zugang und ich fühle mich nun gefestigt genug in meinem Schach, um solche Stellungen in Zukunft fertig zu spielen. Hochmütig.

Andi Amon – Julian Brown nach dem 23. Zug

Mit Weiß am Zug bot ich in dieser Stellung im 23. Zug Remis. Mein Gegenüber Julian Brown, 1978 Elo, lehnte vehement ab, und wir spielten noch 25 Züge ohne Patzer, bis das Ergebnis feststand. Ein Eröffnungsfehler hatte mich in diese Situation gebracht und nur durch bedachtes, langsames Spiel konnte ich die gefährlichen angreifenden Figuren tauschen, ohne eigene Schwächen zu schaffen. Zu verstehen, was solche Schwächen wohl wären, hätte mich vor wenigen Wochen wohl noch mehr Zeit gekostet, als es eine Partie zugelassen hätte. Nun jedoch war ich mir sicher: auch wenn ich nicht jeden Zug perfekt spiele, sind meine Gegner auch keine Großmeister und müssen erst zeigen, wie sie mich in die Knie zwingen wollen. Meine dritte Partie ohne Verlust war geschlagen, und ich spürte etwas in mir. Selbstbewusstsein.

Wolfgang Heinisch – Andi Amon nach dem 18. Zug von Weiß

Mein Gegner bot nun Remis, nachdem er Ld2 gespielt hatte. Er sagte mir nachher, dass er angesichts der Drohung Lh6 nicht wusste, wie er sinnvoll seinen vorgerückten Bauern auf f4 verteidigen sollte. Auf Lh6 kann jedoch Se1 folgen und nach Dh4 könnte Weiss mit Sg2 alle eventuellen Drohungen vorerst unterbinden. Mir war bewusst, dass ich besser stand, dachte jedoch, dass mir nur ein Angriff gelingen konnte, indem ich meine Figuren durch eine Linienöffnung auf g unterstützte. Die eigene Königssicherheit sah ich als meinen Trumpf an. Somit wollte ich diese nicht gefährden, um einen vielleicht unzureichenden Angriff auszuführen. Eine falsche Entscheidung aus heutiger Sicht, ich nahm das Remisgebot des mir an Elo überlegenen Gegners Wolfgang Heinisch (1932 Elo) aus der Position der Stärke und überlegener Stellung an. Zufrieden.

Andi Amon – Clemens Burger nach dem 22. Zug

Eine klare Remis – Stellung, wenn man die Engine fragt. Clemens Burger mit 1929 Elo fand sich nach 23 Zügen einer ausgeglichenen Partie in dieser Stellung wieder. Ich hatte mir fest vorgenommen, die letzte Runde zu gewinnen, doch nach dem forciert erzwungenen Abtausch meiner Figuren machte ich mir keine Hoffnungen mehr, diese Partie gewinnen zu können, und darauf zu warten, dass mein Gegenüber einen Fehler macht, ist nicht die Art und Weise, wie ich zur Zeit gewinnen will. Ich bot Remis und wenige Züge später verstand auch mein geschätzter Gegner, warum ich diesen Weg gewählt hatte. Enttäuschung machte sich in mir breit, ich hatte die Chance, ein ausgezeichnetes Ergebnis abzuliefern, gehabt, und hatte doch wieder nur remisiert. Aber schon bald wurde mir klar, meine Leistung war ausgezeichnet gewesen. Zum ersten Mal in meinem Leben beendete ich ein Turnier unbesiegt. Ich fühle mich: Unantastbar.

Epilog
Fünf Remisen bei einem gegnerischen Gegnerschnitt von 1975 Elo in Folge mag für den einen oder anderen von euch als Niederlage gelten, jedoch bin ich mir auch sicher, dass so mancher Spieler davon träumt, kontinuierlich Ergebnisse wie diese zu erzielen. 
Ich selbst habe nun 1800 Elo national, sowie 1900 Elo international nach langem Training zum ersten Mal überschritten, was ich als einen großen persönlichen Meilenstein erachte. Für mich bedeutet dieses Turnier, dass ich mich nicht mehr fürchten muss, gegen stärkere Spieler zu verlieren, sondern jede Partie als eine Chance auf einen weiteren Sieg auf meinem Weg in Richtung 2000 Elo zu sehen. 

Statistisch habe ich meinen Startrang mit 2,5/5 Punkten leicht verbessert und ca. elf Elo gewonnen, jedoch sagt die Statistik nichts über den Einzelnen aus. 
Ich habe endlich gelernt, die Stellung am Brett zu verstehen. Spät, aber doch, ein gewaltiger Schritt für mich, der mich zweifellos noch lange beschäftigen und begleiten wird.

ein Schritt gemacht
ein Meilenstein erreicht
neue Ziele anvisiert
und erhobenen Hauptes bereit
meinen Weg zu gehen

Bericht: Andreas Amon

Alle Ergebnisse: https://s3.chess-results.com/tnr1238878.aspx?lan=0&art=1&rd=5&SNode=S0

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